BITTERE ENTTÄUSCHUNG FÜR TOYOTA GAZOO RACING IN LE MANS

TOYOTA GAZOO RACING erlebte schmerzliche 24 Stunden von Le Mans, bei denen zwei TS050 HYBRID nicht das Ziel erreichten und das dritte Auto Platz neun belegte.

Die Hoffnungen auf den ersten TOYOTA-Sieg in Le Mans waren groß, als der Wagen mit der Nummer sieben mit Mike Conway, Kamui Kobayashi und Stéphane Sarrazin während der ersten zehn Stunden des Rennens in Führung lag, aber nach einem Kupplungsdefekt um 1 Uhr 15 nachts aufgeben musste.

Die Nummer acht mit Sébastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima konnte sich acht Stunden lang ebenfalls Hoffnungen auf den Gesamtsieg machen, bis eine Reparatur der Kugellager des Front-Energie-Rückgewinnungssystems das Auto für nahezu zwei Stunden an die Box zwang.

Nur wenige Minuten nachdem #7 aufgeben musste, warf ein Unfall Nicolas Lapierre, Yuji Kunimoto und José María López mit der Nummer 9 aus dem Rennen, als Nicolas von einem LMP2-Fahrzeug getroffen wurde. Mit plattem Reifen und einem Hydraulikschaden, der Gangwechsel fortan unmöglich machte, blieb das Auto um 1 Uhr 35 nur wenige hundert Meter vor der Boxeneinfahrt liegen.

Den Gesamtsieg errang der Porsche mit der Nummer zwei, vor den ORECA LMP2-Autos mit den Startnummern 38 und 13, nachdem der mit elf Runden in Führung liegende Porsche mit der Nummer eins mit technischen Problemen aufgeben musste.

Das Rennen, das mit großen Hoffnungen auf den ersten Sieg für TOYOTA seit dem Le-Mans-Debüt im Jahre 1985 begonnen hatte, stellt somit eine bittere Enttäuschung dar.

Am Donnerstag gelang Kamui Kobayashi die schnellste Runde aller Zeiten auf dem Circuit de la Sarthe, wobei er den 32 Jahre alten Geschwindigkeitsrekord unterbot. Ebenso trat man als Führender der Fahrer- und der Markenwertung an, nachdem die beiden ersten Rennen der FIA WEC Langstrecken Weltmeisterschaft 2017 gewonnen werden konnten.

Le Mans, das als Rennen mit doppelten Punkten gewertet wurde, kam TOYOTA auch in Hinblick auf die Weltmeisterschaft teuer zu stehen: Porsche führt in der Markenwertung nun mit 36,5 Punkten Vorsprung, während die Piloten von #8, der bestplazierten TOYOTA-Crew, auf den zweiten Platz der Fahrerwertung zurückfielen, 21 Punkte hinter den jetzt führenden Fahrern des Porsche #2.

Die Regularien von Le Mans sehen vor, dass ausgefallene Fahrzeuge den Teams erst nach Beendigung des Rennens übergeben werden – so beginnt direkt im Anschluss eine genaue Analyse, um exakt bestimmen zu können, welche Schäden #7 und #9 erlitten haben, während diese Arbeit am Wagen #8 bereits im Gang ist.

Das Team wird sich danach neu gruppieren und entschlossener denn je die 6 Stunden vom Nürburgring am 16. Juli in Angriff nehmen, das nächste Rennen der WEC.

Toshio Sato, Team President: „Das gesamte Team ist am Boden zerstört, nachdem was hier passiert ist, nach all der harten Arbeit und den Anstrengungen der vergangenen Monate, um mit einem derart wettbewerbsfähigen Wagen nach Le Mans zu kommen. Unsere Pace war während der ganzen Woche sehr gut und wir lagen in einem harten Kampf vor Porsche. Die Fahrer, Ingenieure und Mechaniker haben diese Woche hervorragend gearbeitet und dafür möchte ich ihnen danken. Selbstverständlich gratulieren wir Porsche zum Sieg, den sie heute zweifellos vedient haben. Was TOYOTA angeht, so müssen wir Le Mans einmal mehr ohne die Siegertrophäe verlassen und das, obwohl die Fans uns so toll unterstützt haben. Wir werden analysieren was schiefgelaufen ist, denn einen solchen Doppelausfall wie in der letzten Nacht können wir nicht akzeptieren. Wir werden stärker und entschlossener zurückkommen; unser großes Ziel Le Mans lebt weiter.“

TS050 HYBRID #7 (Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin)
Rennen: nicht gewertet, 154 Runden, 12 Boxenstopps. Startplatz: P1. Schnellste Runde: 3:18,694 Minuten

Mike Conway: „Es begann gut, wir waren schnell und hatten von der Spitze weg alles im Griff. Dann bekamen wir unglücklicherweise ein Problem, welches uns aus dem Rennen warf. Dass es aber so schnell ging, war nur schwer mitanzusehen. Es war sehr schade und dass auch die anderen TOYOTAS in Schwierigkeiten gerieten ist wahnsinnig enttäuschend. Wir hofften, dass wenigstens einer von uns ganz oben auf dem Podium stehen würde, aber es sollte nicht sein.“

Kamui Kobayashi: „Das ist alles sehr enttäuschend. Ich dachte, das wird unser Tag, denn wir waren schnell und merkten, dass wir das Geschehen kontrollierten. Wieder einmal mussten wir erfahren wie schwer es ist, in Le Mans zu siegen. Meinen großen Dank an das Team, das soviel Arbeit investiert hat. Es geht nicht nur um Geschwindigkeit, denn die hatten wir, konnten aber am Ende nicht gewinnen. Nun müssen wir eben nächstes Jahr wiederkommen und um den Sieg fahren.“

Stéphane Sarrazin: „Es ist unfassbar. Wir hatten so ein gutes Auto, die ganze Woche waren wir beeindruckt von seiner Balance und der Leistung. Das Team hat im Winter großartig gearbeitet, darum ist es so unglaublich, dass hier alle drei Wagen aus dem Spiel waren. Es scheint geradezu unmöglich. Aus irgendeinem Grund konnten wir das Rennen nicht zu unseren Gunsten entscheiden. Es ist ein sehr anstrengendes Rennen, was man auch daran erkennt, dass der Porsche #1 ausfiel – jedes Auto muss hier 24 Stunden lang ans Limit gehen. Wir geben nie auf und werden gestärkt zurückkommen. Wir müssen einfach daran glauben.“

TS050 HYBRID #8 (Sébastien Buemi, Anthony Davidson, Kazuki Nakajima)
Rennen: P9, 358 Runden, 27 Boxenstopps. Startplatz: P2. Schnellste Runde: 3:18,604 Minuten

Sébastien Buemi: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wir haben eine Menge Punkte in der Weltmeisterschaft verloren und daran denkt man zuerst, wenn einem der Sieg entgleitet. Hoffentlich haben wir noch eine Chance um den Titel zu kämpfen. Ich möchte mich beim Team bedanken, vor allem bei den Mechanikern, die so hart gearbeitet haben und es tut mir so leid für jeden. Alles, was wir jetzt tun können, ist, uns auf den Rest der Saison zu konzentrieren.“

Anthony Davidson: „Es ist enttäuschend, am Ende für nichts viele Runden in einem so guten Auto zu fahren. Daran musste ich gegen Ende des Rennens denken, als ich schnelle Zeiten fuhr und den anderen näherkam. Aber der Rückstand war nach unserem Problem einfach zu groß. Einmal mehr hat Porsche einen super Job gemacht. Wir werden nicht aufgeben – das haben wir demonstriert, indem wir mit einem so starken Wagen hierhergekommen sind und das gibt mir Zuversicht, dass wir es eines Tages schaffen werden.“

Kazuki Nakajima: „Es war ein hartes Rennen für das ganze Team, wie das hier ja immer so ist. Mir fehlen die Worte, wir müssen es nächstes Jahr eben wieder versuchen. Das Auto war gut, der Speed auch, aber irgendetwas fehlte. Trotz all der harten Arbeit und der Vorbereitung sind wieder so viele Dinge passiert. Es war einfach nicht genug. Nächstes Jahr müssen wir uns noch besser vorbereiten und noch härter kämpfen.“

TS050 HYBRID #9 (Nicolas Lapierre, Yuji Kunimoto, José María López)
Rennen: nicht gewertet, 160 Runden, 13 Boxenstopps. Startplatz: P5. Schnellste Runde: 3:19,321 Minuten

Nicolas Lapierre: „Es war ein schweres Rennen für uns mit einer Menge Pech. Zu Beginn hatten wir ein paar kleinere Probleme die uns Geschwindigkeit gekostet haben, aber dann waren wir auf Rang zwei und gut im Rennen. In Kurve eins wurde ich hinten von einem LMP2-Fahrzeug getroffen, das gerade aus der Box kam. Ich konnte absolut nichts machen. Das alles geschah zu Beginn der Runde, darum war es unmöglich, den Weg zurück zur Box zu schaffen. Es ist sehr, sehr enttäuschend.“

Yuiji Kunimoto: „Mein erstes Rennen in Le Mans war hart und enttäuschend. Bis wir das Problem bekamen, hatte ich viel Freude und wir sahen wirklich gut aus. Als ich dann sah, dass das Auto anhalten musste, war ich furchtbar enttäuscht, denn das ganze Team hatte so hart gearbeitet, um für das Rennen bereit zu sein. Das Team und meine Teamkollegen haben einen fabelhaften Job gemacht und dafür danke ich ihnen. Ich wollte ein gutes Resultat für sie erzielen, aber es ist ein sehr schwieriges Rennen. Jetzt möchte ich einfach zurückkehren, um wieder in Le Mans fahren.“

José María López: „Als wir hierherkamen, wussten wir, dass es ein grausames Rennen ist. Es steckt eine Menge Arbeit drin und wir sind mit viel Selbstvertrauen gekommen. Wir haben eine starke Vorstellung gezeigt und dann erleben wir so etwas. Im Moment denke ich nur darüber nach, im nächsten Jahr noch stärker zurückzukommen. Wir werden im Rennen kämpfen und zeigen, dass wir stark genug dafür sind. Ich bin stolz auf jeden im Team – auf die Mechaniker, die Ingenieure und auf meine Teamkollegen. Sie haben fantastische Arbeit geleistet und ich muss mir nichts vorwerfen.“

Ergebnis 24 Stunden von Le Mans 24:
1. #2 Porsche (Bernhard/Bamber/Hartley) 367 Runden
2. #38 Jackie Chan DC (Tung/Laurent/Jarvis) +1 Runde
3. #13 Rebellion (Piquet/Heinemeier Hansson/Beche) +3 Runden
4. #37 Jackie Chan DC (Cheng/Gommendy/Brundle) +4 Runden
5. #35 Alpine (Panciatici/Ragues/Negrao) +5 Runden
6. #32 United Autosports (Owen/De Sadeleer/Albuquerque) +5 Runden
9. #9 TOYOTA GAZOO Racing +9 Runden