DER TEAM-METEOROLOGE: VORHERSAGEN BEI WIND WETTER

Meteo France weather.  Le Mans 24 Hours 8th-14th June 2015. Circuit de la Sarthe, Le Mans, France.

Guy, hauptberuflich bei Météo France als Meteorologe tätig, ist überall dabei, wo das TOYOTA GAZOO Racing Team antritt. Etwa vergangenen Monat bei den 24 Stunden von Le Mans, generell aber bei allen Läufen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft. Hier erklärt er uns seine Arbeit innerhalb des Teams.

Warum braucht man eine Wettervorhersage während eines Rennens?

„Das Geschehen im Motorsport ist sehr von den Witterungsbedingungen abhängig, also ist eine kurzfristige und akurate Vorhersage von großer Bedeutung. Météo France unterstützt TOYOTA dabei die klimatischen Veränderungen, die es bei den Trainings oder auch während eines Rennens geben kann, frühzeitig zu erkennen und sich darauf einzustellen. Je nach dem, wie sich die Wetterlage entwickelt, kann eine bevorstehende Veränderung Einfluss auf die Strategie und die Fahrzeug-Abstimmung haben. Die Wetterlage ist zudem ein entscheidender Faktor bei der Auswahl des Reifentyps. Die Gesamtstrategie kann fallweise von den Witterungsbedingungen abhängen, trifft man da falsche Entscheidungen, dann kann das schon einmal negative Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Es ist ja nicht wie bei einem Tennis-Turnier, wo man auch mal weiterspielen kann, auf einer Rennstrecke fahren die Fahrer zwar auch weiter, aber der Regen beeinflusst das Geschehen auf der Piste schon erheblich.

Wie sieht ihre Arbeit mit dem Team im einzelnen aus, etwa zuletzt in Le Mans?

„Damit das Team die Strategien für Trainings und Rennen am besten planen kann, beginne ich bereits 15 Tage vor der Veranstaltung die Wettervorhersagen zu überwachen. Hierbei geht es um folgende Fragen: Erwartet uns eine Phase warmen, oder eher kalten Wetters? Wird es ungewöhnlich warm oder ungewöhnlich kalt werden, wird es regnen oder bleibt es trocken? Nach und nach ergibt sich dann zum Stichtag ein Bild und wir wissen schon vorab, ob es in der ersten Hälfte des Rennens regnen wird, oder erst in der zweiten Hälfte. Wir brechen dies alles darauf herunter, ob es binnen drei Minuten in Mulsanne regnen wird. Je näher wir dem Zeitpunkt der Veranstaltung sind, je präziser werden dann die Angaben.“

Welche Hilfsmittel benötigt man, um dies mit so viel Präzision vorhersagen zu können?

„Wir bei Météo France wenden unsere eigenen Modelle an, bestehend aus numerischen Simulationen vom Zustand der Atmosphäre, insbesondere in Bezug auf Parameter wie Lufttemperatur und -feuchtigkeit. Für Vorhersagen mit längerem Vorlauf wenden wir diese Modelle zwei mal pro Tag im Hinblick auf die Gegebenheiten an. So weit voraus kann man noch nicht feststellen, ob es etwa in der ersten Rennstunde regnen wird. Man kann lediglich ermitteln, ob der besagte Tag trocken bleibt und welche Wahrscheinlichkeit für Niederschläge herrscht. Je näher die Veranstaltung rückt, wird das Simulations-Modell sechs bis acht mal pro Tag mit Daten gefüllt und die Angaben fallen dann zunehmend präziser aus. Wenn wir dann zu gegebener Zeit die aktuelle Wettersituation analysieren, ziehen wir hierzu die Satellitenbilder heran und jene Daten, die die diversen Météo France-Wetter-Radarstationen aus dem ganzen Land übermitteln. Im Umkreis von 100 Kilometer hängen unsere Vorhersagen von eigenen Radaren ab, die wir in Streckennähe aufbauen und die wir TOYOTA exklusiv zur Verfügung stellen. Mit Hilfe dieser Anlagen können wir eine Auflösung erzielen, die uns minütliche Vorhersagen mit einer Genauigkeit von 100 Metern erlauben. Man kann das mit dem Heranzoomen eines Bildes vergleichen. Doch ein Parameter ist alles entscheidend und den kann nichts ersetzen: Den Erfahrungsschatz des Menschen. Eine numerische Simulation wird niemals so zuverlässig sein, wie wenn ich einen Blick aus dem Fenster werfe und die Situation selbst erfasse.

Wie sieht ein typischer Tag für Sie aus?

„Ich bin stets als einer der ersten des Teams an der Strecke, um den Ingenieuren frühzeitig die erste Nachrichtenlage der Vorhersagen vorlegen zu können. Anhand dieser Daten können sie dann die Strategie erarbeiten oder ihr Testprogramm planen. Geht es um das Qualifying, so müssen sie in der Lage sein, daraus die Zahl der wahrscheinlich unter idealen Bedingungen zu absolvierenden Runden zu errechnen. Sowohl während der Trainingssitzungen als auch im Rennen werden diese Daten kontinuierlich aktualisiert.“

Wie organisieren Sie Ihre Arbeit bei einem 24-Stunden-Rennen?

„Bei diesem speziellen Anlass sind wir zu zweit, damit wir ohne Unterbrechung arbeiten können. Ich bin bereits am Samstag vor Veranstaltungsbeginn um sieben Uhr am Morgen an der Rennstrecke und bis hin zum Start gibt es mehr und mehr zu tun. Mit jeder Stunde, die wir dem Beginn der Veranstaltung näher rücken, werden die Informationen präziser. Wir halten uns in einem der Auflieger des Teams im Fahrerlager auf, doch wir gehen auch regelmäßig in die Box und fiebern dort mit dem Team mit. Wir leben jedes Rennen leidenschaftlich mit und sind eins mit dem Team – in den guten wie auch den schlechten Momenten. Für einen Meteorologen ein sehr origineller Weg seinen Job auszuüben.“