ANTHONY AND SÉBASTIEN STEHEN REDE UND ANTWORT

WEC 6 Hours of BahrainDie TOYOTA Racing-Fahrer Anthony Davidson und Sébastien Buemi, die am Steuer des TS040 HYBRID #8 den Weltmeistertitel in der Fahrerwertung beim 6-Stunden-Rennen von Bahrain, dem vorletzten Lauf zur FIA WEC Langstrecken Weltmeisterschaft erringen konnten. Hier teilen sie ihre Empfindungen und Gedanken zu dieser Leistung und der erfolgreichen Saison mit vier Siegen in sieben Rennen auf dem Weg zum Titelgewinn.

Im Gespräch mit Anthony Davidson

Anthony Davidson, Weltmeister. Wie fühlt sich das an?
Ich habe das noch nicht so recht realisiert. Ich habe mich immer als einer der Top-Sportwagenpiloten gesehen, jetzt habe ich einen WM-Titel, der da belegt. Unglaublich: Es ist it Abstand der größte Erfolg meiner Karriere und mein erster Meistertitel seit dem Kartsport im Jahre 1995. Aber Weltmeister war ich noch nie. Ein fantastisches Gefühl. Es war ein unfassbares Jahr – und nun bleibt noch der Rest des Jobs in Brasilien zu erledigen. Wir werden Gas geben und den Konstrukteurs-WM-Titel für das Team gewinnen.

Die Konkurrenz ist sehr stark in der WEC. Macht das diesen Meistertitel noch wertvoller für dich?
Weltmeister zu werden ist ohnehin etwas besonderes, erst recht wenn du den Titel gegen so ernsthafte Konkurrenz wie Audi und Porsche erringst. Jeder kennt ihre Erfolge, ihre Historie im Langstreckensport. Jetzt hier zu stehen und zu wissen, dass wir die Weltmeisterschaft gewonnen haben, ist phänomenal. Es ist eine Auszeichnung unseres Teams, das heuer das beste und schnellste Auto auf die Räder gestellt hat.

Erzähl‘ ein wenig vom Rennen in Bahrain…
Wir hätten das Rennen gewinnen müssen. Ich wollte den Sieg, aber es sollte diesmal nicht sein. Als das Problem auftrat, war ich weder gestresst, noch verärgert. Es war halt so. Ich verließ mich auf das Team und darauf, dass die Mechaniker das Auto repariert bekommen und uns wieder ins Rennen bringen. Das war ein Problem, das das ganze Jahr über noch nie aufgetreten war und uns nun zurückwarf, doch wenigstens konnten wir noch zeigen, wie schnell wir sind.

Wie sahen deine Erwartungen zu beginn der Saison aus?
Noch bevor wir die ersten Meter zurücklegten, ging ich davon aus, dass wir wegen dem neuen Reglement gegenüber Audi konkurrenzfähiger sein würden, aber nicht unbedingt, dass wir stärker sein würden. Umso so erfreulicher war es nach den ersten Rennen zu erkennen, dass wir tatsächlich das schnellste Auto hatten. Was wir von Porsche zu erwarten hatten, war nicht so ganz klar, aber wir wussten, dass sie im Laufe der Saison stärker werden würde.

Hast du zu diesem Zeitpunkt erwartet, um den WM-Titel kämpfen zu können?
Nein. Man hofft natürlich, aber man kann nicht voraussetzen, dass man um die WM wird kämpfen können. Unser Hauptziel, bevor irgendjemand über die WM nachdachte, war Le Mans, dem größten Rennen des Jahres.

Was war für dich heuer die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung war wahrscheinlich an der Spitze der WM-Tabelle zu bleiben, und in der Lage befand ich mich sehr lange nicht mehr, eigentlich seit meinen Tagen im Kartsport. Ich hatte zuvor große Rennen gewonnen, etwa die 12 Stunden von Sebring, das Formel Ford Festival und andere Ein-Tages-Veranstaltungen. Doch eine Meisterschaft zu gewinnen, das ist eine ganz andere Herausforderung, denn man muss konstant an der Spitze sein.

Was ging in dir in der langen Sommerpause nach Le Mans vor?
Unmittelbar nach dem Unfall, als wir mit der #8 wieder ins Rennen gingen, änderte sich meine Einstellung. Von dem Moment galt meine ganze Ausrichtung der WM. Nachdem uns die andere Chance genommen worden war, schien mir klar, was wir zu tun hatten und wir fokussierten uns ganz auf die Weltmeisterschaft.

Zwischen deinem Sieg in Spa und dem Doppelsieg von Fuji lagen fünf Monate. Wir süß schmeckte da der Erfolg, wieder auf das oberste Treppchen klettern zu können?
Nach ein paar Monaten fernab der Rennstrecken und auch des Siegerpodests, war es großartig diesen Doppelerfolg vor den Fans und den Kollegen von TOYOTA feiern zu können. Das war das erste Mal, dass ich diese Dominanz unseres Teams so wahrnahm. Fuji was der Höhepunkt, dort zeigten wir, was das Auto wirklich kann und wie präzise alle im Team arbeiten. Das war ein wirklich gutes Rennwochenende.

Hat sich das Team während der Saison weiter entwickelt?
Das war ein langer Weg von der Vorsaison bis hierher. Ich erinnere mich noch, dass ich während der Testfahrten noch Sorge hatte, ob wir um die WM werden kämpfen können. Doch das Team entlockte dem Auto die Leistung. Selbst nach Silverstone kam da auf sehr eindrucksvolle Weise immer mehr. Wir fanden uns im Regelwerk immer besser zurecht und verstanden das Auto mit jeder Runde besser. Die Leistungen, die wir jetzt zeigen können, ist der Beweis, dass wir das Auto vollends begriffen haben.

Im Gespräch mit Sébastien Buemi

Sébastien Buemi, Weltmeister, wie fühlt sich das an?
Einer der besten Tage meiner Karriere. Einen WM-Titel kann dir niemand mehr wegnehmen, der gehört dir für die Ewigkeit. Ein großartiges Gefühl also und im Moment noch schwer zu begreifen, was wir da erreicht haben. Ein fantastischer Erfolg, denn eine WM ist immer schwer zu gewinnen. Du brauchst über die gesamte Saison hinweg ein starkes Auto und ich möchte dem Team danken, dass sie uns genau das gaben. Das ist ein besonderer Moment für uns alle.

Die Konkurrenz ist sehr stark in der WEC. Macht das diesen Meistertitel noch wertvoller für dich?
Wenn du dir anschaust, wie Audi und Porsche uns zusetzten, umso großartiger war es diesen Titel zu erringen. Es ist ein bedeutender Titel und ihn errungen zu haben, war ganz gewiss nicht einfach. Jetzt wollen wir in Brasilien noch den Konstrukteurs-WM-Titel gewinnen, um die Saison abzurunden. Ich denke, wir werden auch da ein starkes Auto haben.

Erzähl‘ ein wenig vom Rennen in Bahrain…
Ich denke, wir hatten ein Siegerauto, denn wir hatten ja eine Doppelführung als der Defekt an der Lichtmaschine auftrat. Nach dem Vorfall waren wir ein wenig nervös, man weiß ja nie, was noch passiert. Unser Augenmerk galt ausschließlich dem Audi #2, unseren direkten WM-Rivalen. Es sah zwar durchweg positiv aus, aber zu sicher darf man sich nie sein. Man sorgt sich, dass sie von Ausfällen profitieren und genug Punkte sammeln könnten, um die Titel-Entscheidung zu verschleppen. Wir taten unseren Anteil und brachten das Auto ins Ziel, auch wenn wir herzlich wenig dazu beitragen konnten, weitere Punkte zu sammeln.

Wie sahen deine Erwartungen zu beginn der Saison aus?
Ich würde sagen wir hatten Erwartungen und Zielsetzungen. Mein Ziel war es Le Mans zu gewinnen und dann die Weltmeisterschaft zu erringen, doch deine Erwartungen musst du daran anpassen, wo du gerade stehst und was du daraus machen kannst. Fehlt einem zwei Sekunden auf die Spitze, dann fällt es dir schwer an einen Sieg zu glauben! Doch eines wurde schnell klar, als wir sahen, wie konkurrenzfähig der TS040 HYBRID war, nämlich dass die Erwartungen durchaus mit den Zielsetzungen in Einklang standen.

Hast du zu diesem Zeitpunkt erwartet, um den WM-Titel kämpfen zu können?
Wir dachten uns schon, dass wir ganz vorn fahren würden, aber zu dem Zeitpunkt an den Titelgewinn zu denken, wäre dann doch vermessen gewesen.

Was war für dich heuer die größte Herausforderung?
Ich denke, die größte Herausforderung ist immer, mit dem gegeben Material das maximal Machbare zu erzielen. Wenn du so ein gutes Auto an der Hand hast, dann wächst auch der Druck, die bestmöglichen Resultate zu liefern. Über Le Mans waren wir tief enttäuscht, denn wir konnten nicht das erzielen, was mit diesem Auto eigentlich möglich war. Jetzt hat das Team fünf der sieben Saisonläufe gewonnen und es sieht recht gut aus. Die Schwierigkeit ist immer, mehr als alles andere, das Maximum aus dem Auto heraus zuholen.

Was ging in dir in der langen Sommerpause nach Le Mans vor?
Um ehrlich zu sein, es war eine schwierige Zeit. Du bereitest dich das ganze Jahr auf Le Mans vor und wenn du dann dein Ziel nicht erreichst, ist das schon sehr hart. Nach Le Mans, oder eigentlich schon unmittelbar nachdem Unfall, begann ich über die Weltmeisterschaft nachzudenken. Ich dachte mir, wenn wir schon Le Mans nicht gewinnen konnten, dann müssen wir jetzt die WM erringen.

Zwischen deinem Sieg in Spa und dem Doppelsieg von Fuji lagen fünf Monate. Wir süß schmeckte da der Erfolg, wieder auf das oberste Treppchen klettern zu können?
Es war vor allem deshalb zuckersüß, weil es Fuji war. Die Plätze eins und zwei vor heimischem Publikum zu erringen war fantastisch und zum dritten Mal in Folge dort zu siegen für das Team etwas ganz besonderes. Ich wollte sicher gehen, dass wir dort siegen, denn in Austin hatte wir das schnellste Auto und führten das Rennen an, doch dann kam der Regen. Wir hatten das schnellste Auto und doch siegten wir nicht. Fuji gab uns das Vertrauen zurück, dass wir unsere Arbeit würden vollenden können.

Hat sich das Team während der Saison weiter entwickelt?
Heuer haben wir erstmals über eine gesamte Saison hinweg zwei Autos eingesetzt und uns den Sieg in Le Mans und den WM-Titel als Ziele auferlegt. Das machte einen riesigen Unterschied aus, man ist viel besser vorbereitet. Wir konnten besser Feinabstimmungen in allen Bereichen vornehmen. Ich denke, wir haben uns nicht massiv geändert, aber verbessert haben wir uns gewiss.